Entschuldigung: Mein Vergleich bei Sport in Baden-Württemberg war falsch 3


Lesedauer: 2 Minuten

 

 

 

Liebe VfB-Fans,

da die Situation im Laufe des Tages eskaliert ist, möchte ich mich hier nochmals äußern.

 

Zuerst das Wichtigste:

Claus Vogt und die Fanclubs in einem Atemzug mit Trump und Proud Boys zu nennen, war falsch.

Weder ist Claus Vogt mit Trump, noch die Fanclubs mit den gewalttätigen, rechtsradikalen Proud Boys zu vergleichen.

 

Ich bin mit dieser Äußerung einer Denkweise aufgesessen, die wir in der PR gerne im Storytelling verwenden. Wenn wir Geschichten schreiben, spielt oft der Kampf gegen das Establishment eine Rolle. Dann gibt es einen Helden, der den Kampf aufnimmt und Fans, die ihm leidenschaftlich folgen. So erzählen die PR, die Werbung, aber auch Filme die schönsten Geschichten.

Und so hatte ich am Freitag ein gutes, interessantes Gespräch mit Jens Ottmann vom SWR, in dem auch die Frage aufkam, ob es geschickt war, dass sich der Präsident gegen die anderen Präsidiumsmitglieder gestellt hat.

Ich habe dann aus Kommunikationssicht geantwortet, dass es geschickt war, wie Vogt gehandelt hat – und im oben beschriebenen Sinne das Bild des Kämpfers bemüht. Dabei habe ich den unsäglichen Herrn Trump und seine Proud Boys (als unpassende Beispiele) herangezogen, weil Trump mit dieser Strategie (“Kampf gegen das Establishment”) eine große Anhängerschaft mobilisieren konnte, die leidenschaftlich für ihn eingetreten ist.

Der Vergleich war keine Gleichsetzung!

Dabei war aber nie mein Ansinnen, den Präsidenten oder die Fans mit diesen Menschen gleichzusetzen.
Dass es so aufgefasst wurde, war mein Fehler, für den ich mich beim Präsidenten Claus Vogt als auch bei allen Fans des VfB Stuttgart vielmals entschuldige.

 

Und ich hoffe, dass diese Entschuldigung von Euch akzeptiert wird, auch wenn der Fehler nicht mehr rückgängig zu machen ist.

 

Dennoch noch eine Bitte:
Kommunikation und Dialog funktionieren immer nur, wenn wir alle verbal abrüsten und deeskalieren. Persönliche Anfeindungen müssen eine Grenze haben. Wenn wir keine Bestien sein wollen, sollten wir uns alle einen Rest an Respekt und Anstand bewahren. Wir können uns nicht über die Auswüchse in den Sozialen Medien beschweren und dann selbst Teil davon sein. Es würde mich freuen, wenn sich alle eine Ruck geben und die Empörung und den Hass hinter sich lassen und runterkühlen.

Ich habe mir heute den ganzen Tag Zeit genommen, E-Mails, Facebook-Nachrichten und -Kommentare sowie viele Tweets zu beantworten. Das war mir wichtig, weil nur über den Dialog Fehler aufgearbeitet werden und daraus gelernt wird.

 

Viele haben mir heute abgesprochen, ein Fan des VfB zu sein. Ich bin 3x als Fan ab- und wieder aufgestiegen, habe dem VfB immer die Treue gehalten. Bereits als kleines Kind war ich im Neckarstadion – und bis Corona war ich ebenfalls regelmäßig in der Arena.

Bitte kocht jetzt alle wieder runter. Der Fehler ist eingestanden – und wird sich nicht mehr wiederholen.

Dem VfB wünsche ich für die Zukunft, ein gutes Händchen für die richtigen Entscheidungen. Nur als Team können wir gewinnen, nicht gegeneinander.

Euch allen alles Gute!

Holger Hagenlocher

 

 

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

3 Gedanken zu “Entschuldigung: Mein Vergleich bei Sport in Baden-Württemberg war falsch

  • Lukas

    Großen Respekt für diese Stellungnahme und Entschuldigung. Sich dem Dialog zu stellen, und so reflektiert zu sein, sich umgehend zu entschuldigen und mit dem Thema auseinanderzusetzen, finde ich sehr stark!

    Für viele (mich inklusive) war diese kurze Aussage eben ein weiterer Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Insbesondere in Verbindung zu Jens Ottmann, der unlängst durch sehr einseitige Berichterstattung zu dieser Thematik auffiel und sich auf Twitter in ziemlich inakzeptabler Form gegenüber vielen Nutzern äußerte. Ohne jetzt zu kritisch gegenüber Ottmann zu werden, aber dass dieser Clip aus dem Interview mit Ihnen so verwendet wurde und dadurch Ihre Aussage stark verfälscht… es überrascht nach den letzten Wochen leider nicht sehr.

    • Holger Hagenlocher Autor des Beitrags

      Lieber Lukas,
      herzlichen Dank für Ihre freundliche und sehr faire, differenzierte Rückmeldung, die mich freut!

      Die Worte habe ich selbst so gesagt – und das war mein Fehler. Dafür trage ich die Verantwortung – und habe sie bereits in Twitter und mit zahlreichen negativen Bewertungen bei Google, in E-Mails und Anrufen zu spüren bekommen.
      In Twitter und auch hier dürfen wir nie vergessen, dass hinter Journalisten nicht nur die Funktion des Berichterstatters steht, sondern immer auch der Mensch. Und deshalb muss es im Umgang auch Grenzen geben. Deshalb möchte ich an alle appellieren, die natürlichen Grenzen im Umgang auch im anonymen Internet zu wahren – und nicht einzelne virtuell zu lynchen. Auch wenn die Berichterstattung eines Journalisten nicht der eigenen Meinung entspricht.

  • Holger Hagenlocher Autor des Beitrags

    Ja, absolut richtig. Ein Vergleich ist natürlich keine Gleichsetzung. Dieser Unterschied ist entscheidend.
    Jedoch ist klar, dass ein Vergleich ohne Einordnung oder Erläuterung Tür und Tor für Interpretationen offen lässt.

    Insofern kann ich im Nachhinein sagen, dass ich das Interview bzw. diesen wenige Sekunden langen Ausschnitt nie und nimmer freigegeben hätte, wenn ich es vorab zu sehen bekommen hätte. Denn hierbei ging es eben nicht um eine Gleichsetzung, sondern um eine Veranschaulichung, wie man kommunikativ eine Gegenmacht zum (Vereins)Establishment aufbauen kann.
    Warum das Interview so geschnitten und damit eine Empörungseskalation ausgelöst wurde, kann nur die zuständige Redaktion beantworten. Mir ging es um die Wirkmechanismen in der Kommunikation – denn das ist mein Thema.

    Für mich kann ich nur sagen, dass ich in dieser Situation naiv war und nun um einen Erkenntnisgewinn reicher bin.