Generation 50plus – Fürs Marketing im besten Alter


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Fürs Marketing im besten Alter

Warum die Generation 50plus die Best Ager sind

Ein gängiger Ansatz im Marketing ist es, Zielgruppen nach ihrem Alter zu segmentieren. So wird besonders in der Werbewirtschaft die Altersgruppe der 14 bis 49-Jährigen als werberelevante Zielgruppe angesehen. Dass die Werbung das Markenbewusstsein bereits weit vor dem 14. Lebensjahr prägt, ist bei dieser Klassifizierung offensichtlich irrelevant. Noch unverständlicher ist dabei allerdings, dass bei dieser Definition die über 50-jährigen ausgeklammert werden.

Dies ist insofern absurd, da die Zielgruppe der 50plus-er im Bevölkerungsdurchschnitt das höchste verfügbare Einkommen hat, was unter anderem daran liegt, dass Belastungen, wie zum Beispiel der Kindesunterhalt oder Kredite für das Eigenheim, sukzessive wegfallen.

Ü50 im Fokus

Deshalb macht es Sinn, die Generation 50plus mehr in den Fokus zu nehmen. Die bevölkerungsreichste Generation der Gesellschaft hat schon jetzt die 50er-Marke überschritten. Und wenn schon bald über 50 Prozent der Bevölkerung in Deutschland aus Menschen bestehen, die älter als 50 Jahre sind, hat das weitreichende Folgen – für das Rentensystem, die Pflegesituation, aber auch für das Konsumverhalten, für Freizeitangebote und Mobilitätslösungen.

Fürs Marketing im besten Alter: Best Ager

„Ältere Menschen haben kein Problem damit, alt zu sein. Aber sie haben ein Problem mit Werbeleuten, die denken, dass sie zum alten Eisen gehören“, schrieb bereits Ende der 90er-Jahre die Werbefachmagazin „Journal of Marketing and Intelligence“. Umso mehr bemüht sich die Marketingbranche sie mit kreativen Wortschöpfungen zu umschmeicheln. So wird die Generation 50plus wohlwollend auch mit dem Begriff “Best Ager” tituliert.

Doch dies nicht ohne Grund. Denn die Menschen “im besten Alter” verfügen über die höchste Kaufkraft aufgrund des höchsten verfügbaren Einkommens. Dazu kommt, dass die Generation 50plus die Erbengeneration der Wirtschaftswunder-Generation ist, weshalb zusätzlich bei Teilen der Best Ager bedeutende (Geld-)Vermögen zur Verfügung stehen.

Best Ager gelten zudem als kaufkräftig, konsumfreudig, aber auch qualitätsbewusst. Die gestiegene Lebenserwartung macht sie zudem attraktiv: Wer heute 50-jährige als Kunden gewinnt, kann 30 Jahre Geschäfte mit ihnen machen.

Wenn Marketing-Entscheider auf dieses gewaltige Marktpotenzial nicht verzichten wollen, müssen sie jetzt beginnen, ihre Aktivitäten konsequent an dieser Zielgruppe auszurichten.

Generation 50plus, Babyboomer, Best Ager? Die Krux mit den Zielgruppen

So unterschiedlich die Kategorisierungen und deren Begriffe sind, desto schwammiger spiegeln sie ein Bild der Zielgruppen wider. So stellt sich die Frage, ob der Generation 50plus nicht automatisch die Generation 60plus folgen muss. Klar jedoch ist, dass die Babyboomer zwar aktuell noch den Hauptteil der 50plus-er ausmachen. Doch haben bereits die ersten Jahrgänge der „Boomer“ die 60 überschritten. In nicht mehr allzu langer Zeit werden dann die 60plus-er die bevölkerungsstärkste Gruppe sein, aber aufgrund des Eintritts ins Rentenalter nicht mehr die Gruppe mit dem höchsten verfügbaren Einkommen.

So liegt es auf der Hand, dass die vom Marketing gerne so genannten „Best Ager“ als kaufkräftige Zielgruppe immer eher die Generation 50plus als die Bevölkerungsgruppe über 60 sein wird.
Die „Best Ager“ als kaufkräftige Marktmacht werden aber immer dort einzuordnen sein, wo das höchste verfügbare Einkommen auf eine ausgeprägte Konsumneigung trifft. Und das ist im Laufe der Geschichte einem stetigen Wandel unterzogen, der sich unter anderem von der Arbeitsmarktsituation, der Rentenhöhe, der Fortschritte der Medizin und der demographischen Entwicklung ableitet.

Auch bei alternativen Marketingbegriffen wie Generation Gold, Silver Ager, Golden Ager, Third Ager, Master Consumer, Mature Consumer, Senior Citizens, oder schlicht: „Over 50s“ sieht es bezüglich der Genauigkeit in der Zuordnung nicht besser aus.

Generation 50plus

Generation 50plus
© Foto von stux auf Pixabay

Kenntnisse der Zielgruppe helfen

Trotz der Segmentierung ist Vorsicht geboten. „50 ist das neue 30“, heißt es – und so mutet es bizarr an, wenn just mit Vollendung des 50. Lebensjahrs Werbung für Badewannen- oder Treppenlifte in die Mailbox flattert. Mangelnde Sensibilität und vor allem Unkenntnis der Zielgruppe auf Seiten der zumeist jungen Marketingakteure können so eine Werbebotschaft zur Farce konterkarieren.

Generation 50plus online

Studien zeigen, dass Best Ager eine hohe Online-Affinität aufweisen. Insofern ist es erstaunlich, dass es nur wenige Internet- und Social Media-Angebote gibt, die speziell für die Generation 50plus konzipiert sind. Dabei könnte eine klare Positionierung und Segmentierung solcher Online-Medien Unternehmen bei der Auswahl von Werbeplattformen und Kommunikationskanälen helfen. Je genauer die Zielgruppe eines Angebotes definiert ist, desto direkter lässt sich die Zielgruppe ansprechen.

Nach einer Bitkom-Studie (https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Jeder-Dritte-kann-sich-ein-Leben-ohne-Social-Media-nicht-mehr-vorstellen.html) aus dem Jahr 2018 sind 80 Prozent der Best Ager im Alter von 50 bis 64 in den verschiedenen sozialen Netzwerken vertreten. Tendenz steigend. User-Potenziale, die für das Marketing echte Chancen bieten.

Aber Vorsicht: Best Ager hört sich nur Englisch an.

Der Begriff „Best Ager“ wurde von findigen Werbeleuten erfunden, doch handelt es sich dabei um einen deutschen Scheinanglizismus, der vermutlich vom Ausdruck „im besten Alter“ abgeleitet ist. Außerhalb des deutschsprachigen Raums ist er weder gebräuchlich noch verständlich. Im Englischen wird deshalb in der Regel von „Over 50s“ gesprochen.

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