Wirtschaftsfaktor Kulturtourismus


  • Reiseziele entdecken Kultur als Imagefaktor
  • Anbieter präsentieren sich bei Kulturreisemesse

Wenn am 11. und 12. November 2017 in Ludwigsburg bei Stuttgart die Kulturreisemesse (www.kulturreisemesse.de) ihre Türen öffnet, folgt die Veranstaltung einem Trend. Wie aktuelle Studien zeigen, ist der Kulturtourismus einer der Treiber im Reisemarkt. Für immer mehr Urlauber sind Kultur- und Bildungsreisen eine willkommene Alternative zur gewöhnlichen Pauschalreise. Der Kulturtourismus wird damit zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor.
In kaum einem Bereich wächst die Tourismusbranche so schnell wie bei den Studien-, Bildungs- und Kulturreisen. Bereits jetzt gehören Kunst und Kultur für mehr als die Hälfte der Touristen zum Urlaub dazu. In Europa liegt Deutschland als Kulturreiseziel vor Frankreich auf Platz 1. Dabei hilft Deutschland der Ruf als Land der Dichter und Denker. Deutschland-Reisende schätzen entsprechend die historischen Sehenswürdigkeiten, Museen und Ausstellungen, Theater oder Festivals.

Kulturtourismus liegt weltweit im Trend.

Auch die Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (DZT) setzt in ihrer Reisewerbung für Deutschland einen besonderen Schwerpunkt auf bedeutende Kulturereignisse. Sie nimmt diese Festlichkeiten zum Anlass, das Image Deutschlands als Kulturreiseziel in der ganzen Welt auszubauen. Aus dem weit gefächerten Kulturangebot setzte die DZT für das Themenjahr 2017 unter anderem 500 Jahre Reformation als Schwerpunkt. (Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Tourismus/tourismuspolitik-schwerpunkte-kulturtourismus.html).

Kulturtourismus als bedeutender Wirtschaftsfaktor

Kulturtourismus, also jede Form von Reisen zu anderen Orten, die dem Besucher alle kulturellen Aspekte des Ortes, seine Lebensstile, Esskultur, Topographie, Umwelt, Städte und Dörfer, historische Sehenswürdigkeiten und kulturelle Einrichtungen nahe bringt, hat in den letzten Jahrzehnten erheblich an Bedeutung gewonnen und ist zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Eine Grundlagenuntersuchung des Deutschen Tourismusverbandes  e. V. (DTV) aus dem Jahr 2006 ging damals schon davon aus, dass mit dem Städte- und Kulturtourismus rund 82 Milliarden Euro Umsatz und rund 1,6 Millionen Arbeitsplätze verbunden sind. (Quelle: Deutscher Bundestag – Dokumente: http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2010/28849942_kw09_interview_braehmig/201092). Man darf angesichts der trendhaften Entwicklung zu Kulturreise davon ausgehen, dass die Zahlen heute nochmals deutlich angewachsen sind.
In einem Interview mit der Wochenzeitung „Das Parlament“ (8. März 2010) sieht auch der stellvertretende Vorsitzende des Tourismusausschusses des Deutschen Bundestags, Klaus Brähmig (CDU/CSU), „einen klaren Trend zum Städte- und Kulturtourismus“.

Zielregionen profitieren

Die finanzielle Unterstützung des Kulturtourismus durch die EU hat den Trend zu dieser Tourismusform sicherlich verstärkt. Das gilt gerade für die Fremdenverkehrsträger, die an den Fördergeldern interessiert sind und so vermehrt kulturorientierte Reisen anbieten. (Quelle: Eberlein, Anne: Die Bedeutung des Kulturtourismus für eine touristische Destination – dargestellt am Beispiel der Stadt Zwickau 63 Seiten, Hochschule Mittweida, University of Applied Science, Fakultät Medien, Bachelorarbeit, 2011) Bei Kulturtouristen handelt es sich zudem mehrheitlich um eine ausgabefreudige Zielgruppe, was für zusätzliche Einnahmen in der Zielregion führt. Außerdem trägt Kulturtourismus zur Imageverbesserung und Steigerung des Bekanntheitsgrades des Zielortes bei.

Kulturreisen haben eine lange Tradition

Kulturtourismus hat historische Wurzeln, schon Goethe begab sich auf Kulturreisen; trotzdem gibt es den Begriff erst seit Ende der 80ern und weiterhin keine genaue Definition des Begriffes. Intensiv mit Kulturtourismus beschäftigt sich seit vielen Jahren Albrecht Steinecke. Der Tourismusforscher ist Professor an der Universität Paderborn und sieht im Kulturtourismus ein wesentliches Merkmal darin, dass Kulturtourismus eine lange Tradition aufweist: Bereits im 17. und 18. Jahrhundert wurde beim Reisen schon auf Kulturmotive Wert gelegt. Seitdem zählt die Besichtigung historischer Gebäude, Museen und Schauplätze zum Standard kulturtouristischer Aktivitäten.

Kultur rangiert als Reisemotiv auf Platz 2

Als weitere Merkmale von Kulturreisen sieht Steinecke im Kulturinteresse der Touristen, der Besichtigung kultureller Einrichtungen, die Teilnahme an Kulturveranstaltungen und die Rolle einer fachlichen Informationsvermittlung durch qualifizierte Tourismusexperten. Steinecke fasste zum Thema Kulturtourismus zusammen, dass 63,6 Prozent der deutschen Urlauber an der Kultur des Urlaubsgebietes interessiert sind. Damit rangiert das Kultur-Motiv an zweiter Stelle nach dem Wunsch der Regeneration. (Quelle: Steinecke, Albrecht: Kulturtourismus. Trends, Fallstudien und Entwicklungen, München, 2007.)

Nicht nur für Bildungsbürger

Die ehemaligen Studienreisenden aus dem Bildungsbürgertum wurden sukzessive durch einen immer mehr heterogenen Kundenkreis aus verschiedenen Gesellschaftsschichten mit unterschiedlichem Bildungsstand ersetzt. Seit auch junge Menschen zu den Kulturreisenden zählen, avancieren kulturtouristische Reisen zu Erlebnisreisen und der Kulturtourismus zum Erlebnistourismus.

Zu den Kulturreisen gehören auch die Literaturreisen und die Eventreisen. Bei einer Literaturreise kann der Reisende Lesungen besuchen oder auf den Spuren berühmter Literaten wandeln. Geeignet ist eine Literaturreise vor allem für Personen, die gerne lesen, mehr über ihre Lieblingsautoren erfahren möchten und sich über einen Austausch mit anderen Menschen, die ebenfalls ein literarisches Interesse haben, freuen. Zunehmend großer Beliebtheit erfreuen sich Eventreisen. Diese können aus vielfältigen Anlässen erfolgen. Dazu zählen zum Beispiel klassische Konzerte, Pop-Konzerte, Festivals, Gartenschauen, Kunstausstellungen oder kulturelle Silvesterprogramme.

Vorträge zu Kulturreisen ergänzen Messeprogramm der Kulturreisemesse

Bei der Kulturreisemesse in Ludwigsburg (Region Stuttgart) präsentieren sich an zwei Tagen Reiseveranstalter, Reisevermittler, Kulturreiseziele und Kulturinstitutionen, wie zum Beispiel Museen oder Opernhäuser, einem kulturinteressierten Reisepublikum. Ergänzt wird die Ausstellung an beiden Tagen durch ein informatives Vortragsprogramm, bei dem Einblicke in oft noch unbekannte Reiseziele gewährt werden. Gleich zwei Vorträge beschäftigen sich mit Kunst- und Kulturreisen in den Iran. Dabei werden dem Publikum nicht nur Reisen zu den „Perlen Persiens“ nahe gebracht, sondern auch über das Kulturwandern in diesem nicht-typischen Reiseland informiert. Aber auch Vorträge zu Reisen zu den „Flämischen Meistern“, zu „Schillers heimlicher Geliebten (Rudolstadt)“, zu Spitzenkonzerten in die Elbphilharmonie, ins Tal der Rosen nach Bulgarien oder über den großen Teich in die amerikanischen Südstaaten, wo die Blues- und Bluegrass-Kultur ihre Wurzeln hat, stehen neben anderen auf dem Programm. Der Besuch des Rahmenprogramms ist im Tagesticket zur Kulturreisemesse inbegriffen, das 5 Euro kosten wird.

Ministerium fördert Kulturtourismus in ländlichen Regionen

In Deutschland ist Kulturtourismus bislang vor allem Städtetourismus. Es ist aber gerade ein Markenzeichen des Reiselandes Deutschland, dass Deutschland sehr viel Kultur in der Fläche zu bieten hat. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat deshalb ein umsetzungsorientiertes Projekt in Auftrag gegeben, das ländliche Regionen modellhaft in die Lage versetzen soll, ihre kulturtouristischen Potenziale auszuschöpfen.

Quellenangaben:

  1. Borchert, Lisa, Erfolgsfaktoren im Kulturtourismus, Success Factors in Cultural Tourism, 41 Seiten, Hochschule Mittweida, University of Applied Sciences, Fakultät Medien, Bachelorarbeit, 2013/14
  2. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Tourismus/tourismuspolitik-schwerpunkte-kulturtourismus.html
  3. Das Magazin FRAUENPARADIES vom 18.06.2014 „Studien- und Bildungsreisen“
  4. Deutscher Bundestag – Dokumente: http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2010/28849942_kw09_interview_braehmig/201092
  5. Deutscher Bundestag, Drucksache 17/1966 vom 9. Juni 2010 (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/019/1701966.pdf)
  6. Eberlein, Anne: Die Bedeutung des Kulturtourismus für eine touristische Destination – dargestellt am Beispiel der Stadt Zwickau 63 Seiten, Hochschule Mittweida, University of Applied Science, Fakultät Medien, Bachelorarbeit, 2011
  7. Kulturreisemesse in Ludwigsburg: http://www.kulturreisemesse.de/Stuttgart/
  8. Paradisi.de Reisen, die bilden: Kulturreisen, Literaturreisen, Archäologische Reisen und Co.
    (http://www.paradisi.de/Freizeit_und_Erholung/Reisen_und_Touristik/Bildungsreisen/Artikel/10545.php)
    Steinecke, Albrecht: Kulturtourismus. Trends, Fallstudien und Entwicklungen, München, 2007
  9. Uranchimeg, Dorjsuren, KulturTourismus Marketing-Konzept für die Mongolei. Modell für den deutschen Reisemarkt. Dissertation, Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, 2006

Die Kulturreisemesse in Ludwigsburg

Datum: 11./12. November 2017, jeweils 11:00 – 18:00 Uhr
Ort: Musikhalle Ludwigsburg, Bahnhofstr. 19, 71638 Ludwigsburg
Eintritt: 5 Euro (inklusive Rahmenprogramm)
Info-Website:  http: //kulturreisemesse.de

Bei der Kulturreisemesse präsentieren sich an zwei Tagen Reiseveranstalter, Reisevermittler, Kulturreiseziele und Kulturinstitutionen, wie zum Beispiel Museen oder Opernhäuser, dem kulturinteressierten Reisepublikum. Eine Besonderheit der Kulturreisemessen ist das Rahmenprogramm mit Vorträgen, Präsentationen und Musik: Dabei haben Aussteller die Möglichkeit, ihr Reiseangebot nochmals auf eine andere Art und Weise zu präsentieren und die Messebesucher bekommen einen anderen Zugang zu den Angeboten. Der Besuch des Rahmenprogramms ist im Tagesticket inbegriffen, das 5 Euro kosten wird.
Organisiert wird die Messe vom Reiseveranstalter drp Kulturtours aus Hamburg, wo die Messe bereits sieben Mal stattfand. Dass die Kulturreisemesse jetzt nach Baden-Württemberg kommt, liegt an der Attraktivität des Standorts, hat aber auch mit der Biografie der beiden Inhaber von drp Kulturtours zu tun: Die Veranstalter der Kulturreisemesse, Harald Kother und Matthias Pätzold, sind beide in der Region Stuttgart aufgewachsen, bevor sie in Hamburg ihr Unternehmen gründeten.

Weitere Informationen unter Kulturreisemesse Ludwigsburg

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